Wusstest du, dass die Stimme so einzigartig ist, wie ein Fingerabdruck? Es gibt niemanden, der genauso klingt wie du. Der Unterschied zum Fingerabdruck ist natürlich, dass eine Stimme formbar, trainierbar und veränderbar ist. Aber trotzdem, die individuellen Voraussetzungen bleiben unterschiedlich. Die Analyse von Stimmen wird gerne in der Kriminalistik eingesetzt, weil über charakteristische Frequenz- und Klangmerkmale eine Person recht zuverlässig identifiziert werden kann. Doch warum sonst sollte ich eine Stimme analysieren?
Ich liebe es, Stimmen zu analysieren, weil ich darüber einen Menschen in der Tiefe erfassen kann. Denn die Stimme verrät weit mehr über dich, als dir bewusst ist. Auch, wenn du sie bereits geschult oder trainiert hast.
In diesem Blogartikel nehme ich dich mit in meine Welt des Stimm-Profiling. Was erkenne und höre ich an Stimmen von Menschen und was bringt das? Welche verschiedenen Stimm-Profile gibt es? Und wann ist es sinnvoll, sich mit seiner eigenen Stimme und ihrer Wirkung auseinanderzusetzen?
Stimme analysieren: Das verrät deine stimme über dich
Deine Stimme verrät weit mehr als nur Geschlecht, Alter, Kultur, Gesundheitszustand und eventuell Bildungsstand. Sie offenbart auch deine Prägungen und Konditionierungen.
Die klassischen Zuschreibungen (leise Stimme = schüchtern und introvertiert, laute Stimme = extrovertiert und selbstbewusst, brüchige Stimme = unsicher und nervös) sind oft zu kurz gedacht und teilweise falsch.
Es gibt 5 verbreitete Muster, die in Stimmen hörbar werden: Perfektionismus, People Pleasing, Abgeschnittenheit, Überhöhung und Kindmodus. Die Ursachen für diese Muster müssen unbedingt individuell betrachtet werden.
Eine Stimmanalyse oder ein Stimm-Profiling kann dich bei folgenden Themen unterstützen: körperliche Probleme: Heiserkeit, Stimmverlust, Krankheit vor wichtigen Terminen
emotionale Probleme: nicht gehört werden, nicht ernst genommen werden
oder
wenn die Wirkung, die du gerne erzeugen möchtest, im Außen komplett anders ankommt
Was landläufig bei Stimmen analysiert wird
Eine Stimme kann ganz technisch analysiert werden: Tonhöhe, Lautstärke, Sprechtempo, Modulation, Pausen, Artikulation, Resonanz etc.
Vielleicht warst du schon mal bei einer Stimmfeldmessung. Das ist ein sehr spannender Prozess, der zum Beispiel zur Klärung bei stimmlichen Problemen eingesetzt wird. Es werden diverse Parameter gemessen und aufgezeichnet und am Ende entsteht das sogenannte Stimmfeld. Das macht sichtbar, in welchem Bereich deine Stimme „leisten“ kann. Also welchen Umfang und welchen Spielraum sie mitbringt.

Vom Klang werden dann oft Rückschlüsse auf Persönlichkeitsmerkmale von Menschen gezogen. So werden leise Stimmen oft mit schüchternen, introvertierten Menschen in Verbindung gebracht. Eine laute und tiefe Stimme transportiert der gängigen Meinung nach eher Selbstbewusstsein, Autorität und Stärke. Brüchige oder wackelige Stimmen werden mit Nervosität und Unsicherheit assoziiert.
Diese Verbindungen sind aus meiner Sicht – du merkst es schon an meinen Formulierungen – viel zu oberflächlich und treffen oft auch gar nicht zu. Trotzdem hält es sich hartnäckig, dass Menschen zum Beispiel einfach lauter sprechen sollten, um selbstbewusster zu wirken.
Bevor ich auf das eingehe, was ich in Stimmen höre und spüre, hier noch ein paar weitere Bereiche, über die man Aussagen treffen kann, nachdem man die Stimme eines Menschen gehört hat: Geschlecht, Alter, Kultur, Gesundheitszustand und in manchen Fällen auch Bildungsstand.
Was ich in Stimmen höre und spüre
All diese oben beschriebenen Dinge kann ich natürlich auch in Stimmen erkennen. Und durch mein Gesangspädagogik-Studium erfasse ich auch nach wenigen Minuten, in denen ich mit einem Menschen gearbeitet habe, in welcher Stimmlage er oder sie zu Hause ist (das gilt sowohl für die Sprech- als auch für die Singstimme).
Doch wenn ich eine Stimme ganzheitlich analysiere, dann achte ich auf ganz andere Dinge. Denn die Stimme verrät noch so viel mehr über einen Menschen. So kann ich zum Beispiel wahrnehmen, welche Prägungen dieser Mensch mitbringt und durch mein Wissen und meine Erfahrung Rückschlüsse ziehen, mit welchen Themen dieser Mensch in seinem Leben beschäftigt ist.
Ich kann auch bei konkreten Herausforderungen (z.B. nicht gehört werden, nicht ernst genommen werden, schnelle Stimmermüdung, brüchige Stimme, Heiserkeit, Stimmverlust, wenig oder unangenehmer Stimmklang, unerwünschte Reaktionen von anderen Menschen, übermäßiges Lampenfieber etc.) die tieferen Ursachen für diese Probleme heraushören und -spüren. Denn die Stimme transportiert all das – und den meisten Menschen ist das nicht bewusst.
5 gängige Stimm-Muster und ihre Hintergründe
Jeder Mensch ist einzigartig und die Stimme ist es auch. Und ich bin davon überzeugt, dass wir individuelle Herangehensweisen für jeden Menschen brauchen. Trotzdem finde ich es hilfreich, eine Kategorisierung zu machen, die eine erste Einordnung zulässt. Für mich funktioniert dabei folgendes: ich kategorisiere auf Symptomebene und individualisiere auf Ursachenebene.
D.h. die Muster, die sich bei den Menschen in Stimmen zeigen, lassen sich auf 5 Haupt-Profile zusammenfassen. Die sind – wie immer, wenn es um Typen oder Profile geht – natürlich nicht ganz klar abgetrennt zu betrachten. Denn es gibt Überschneidungen und meistens tragen Menschen mehrere dieser Typen in sich.
Wenn es dann aber darum geht, zu erforschen, wodurch diese Muster entstanden sind, ist es wichtig, wieder individuell auf den einzelnen Menschen und seine oder ihre Geschichte zu schauen. Aber jetzt lass uns mal die 5 Hauptmuster beleuchten.
Perfektionismus
So, du siehst es schon. Hier handelt es sich um wirkliche Muster, die wir in unserem alltäglichen Leben kennen. Denn ja, genau die spiegeln sich in der Stimme. Bzw. würde ich sogar soweit gehen und sagen: die Stimme zeigt diese Muster, auch wenn sie dir selbst gar nicht bewusst sind.
Perfektionismus zeigt sich in einer Stimme meistens über Festigkeit, Kontrolle, Spannungen in den Bereichen Kiefer, Zwerchfell oder Nacken. Es ist oft Druck spürbar und die Stimmen klingen sehr fokussiert, manchmal sogar schneidend und eng.
People Pleasing
People Pleasing hat sehr sehr viele Ausformungen. Mit diesem Thema hab ich mich in den letzten zwei Jahren sehr viel auseinandergesetzt. Es gibt einige Blogartikel dazu (ich häng dir hier in dem Kapitel eine Liste an) UND ich hab sogar ein ganzes Buch darüber geschrieben, das vermutlich noch im Frühjahr diesen Jahres erscheint.
People Pleasing in der Stimme zeigt sich genauso vielfältig wie im Leben. Es sind oft Stimmen, die angenehm sind, aber nicht so richtig ankommen. Es fehlt oft der Kern und beim Zuhören hat man das Gefühl, dass man diesen Menschen gerne schütteln möchte, dass man endlich was von ihm zu spüren bekommt. Diese Stimmen sind oft sehr wandlungsfähig und passen sich an das Umfeld an. Es ist ein Muster, das sehr schwer zu greifen ist. Aber klar: beim People Pleasing geht es ja vor allem darum, möglichst keine Angriffsfläche zu bieten.
Hier noch die Übersicht über meine Blogartikel zum Thema People Pleasing:
- Es allen recht machen wollen – eine Einführung in das Phänomen des People Pleasing
- Es sind nicht die anderen. Es sind immer wir selbst.
- Der People Pleaser Test – wie sehr willst du es anderen recht machen?
- Angst vor Ablehnung – der größte Motor für People Pleasing
- Mögliche Körpersymptome als Folge von People Pleasing
- Verstecktes People Pleasing Verhalten – 5 konkrete Beispiele
- Wie Selbstaufopferung über Generationen vererbt werden kann
Falls du erfahren willst, wann mein Buch erscheint und auch sonst meine Gedanken zum Thema Stimme, Präsenz, Wirkung lesen willst, dann kann ich dir meinen Deep (Shit) Letter empfehlen. Er kommt unregelmäßig und immer von Herzen.
Abgeschnittenheit vom Körper
Viele Menschen spüren sich nicht oder nur sehr eingeschränkt. Falls du schon mal in einer Gruppe Körperübungen gemacht hast, dann kennst du dieses Phänomen vielleicht. Es gibt immer wieder Menschen, die machen etwas völlig anderes, als vorgezeigt wird. Aber nicht, weil sie gerne etwas anderes machen wollen, sondern weil der Kontakt zu ihrem Körper so schlecht ist, dass sie gar nicht mitkriegen, dass sie gerade etwas ganz anderes machen.
In der Stimme zeigt sich sowas dann entweder über Klanglosigkeit oder das Gefühl, dass die Stimme völlig instabil im Körper herumwabert. Sie hat keinen konkreten Anhaltspunkt und es kann sein, dass die Stimme völlig unerwartet ganz anders klingt als noch einen Moment vorher. Weil diesen Menschen der Kontakt zu sich selbst und damit auch zu ihren Gefühlen und Emotionen fehlt, sind diese Stimmen oft monoton und transportieren wenig.
Überhöhung oder Beweismodus
Dieses Muster tritt gern gemeinsam mit Perfektionismus auf. Denn diese Menschen glauben, dass sie etwas beweisen müssen und geben sich größer als sie eigentlich sind. In der Stimme zeigt sich das über Druck, Lautstärke, die nicht so richtig organisch vom System unterstützt ist und eben (wie beim Perfektionismus auch) durch Festigkeit, Kontrolle und Enge.
Und spätestens hier wird klar, dass die gängige Verbindung von Lautstärke mit Selbstbewusstsein und Autorität hinkt. Denn viele dieser vermeintlich selbstbewussten Menschen sind es überhaupt nicht. Sie stecken im Selbstüberhöhungs-Muster und kompensieren damit ihre Unsicherheit.
Deshalb spreche ich übrigens auch von Stimm-Profiling. Denn viele Menschen erkennen genau das nicht, weil ihnen die Schulung und das Bewusstsein dafür fehlt. Genau wie „normale“ Menschen Narzissten oft als unglaublich nette Menschen einschätzen, während sie von Profilern sofort als Narzissten entlarvt werden.
Kindmodus
Dieses Muster kommt – wie du dir vielleicht denken kannst – gerne im Doppelpack mit dem People Pleasing. Menschen mit diesem Muster machen sich kleiner als sie eigentlich sind. Das zeigt sich in der Stimme vor allem in der Tonhöhe und Lautstärke. Beim Zuhören hat man das Gefühl, dass da ein Kind spricht, obwohl eine erwachsene Frau vor einem steht. Tatsächlich gibt es dieses Muster aber auch bei Männern (ist aber seltener). Denen fehlt dann eher die Kraft und der Kern in der Stimme.
Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht, dass du manchmal, wenn du einen Menschen zum ersten Mal sprechen hörst, eine Irritation in dir spürst. Weil die Stimme nicht zum Erscheinungsbild passt. Immer wenn das der Fall ist, ist aus meiner Erfahrung auf jeden Fall eines oder mehrere dieser Muster aktiv.
Was bringt ein Stimm-Profiling?
Die Stimme begleitet uns ja täglich und transportiert so viel von uns ständig, ohne dass es uns bewusst ist. Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Ansatzpunkte für ein Stimm-Profiling.
- Körperliche Symptome
Wenn deine Stimme schnell müde wird, du oft heiser bist oder krank wirst vor wichtigen Terminen. Wenn du rund um Stimme, Kehlkopf, Hals unangenehme Gefühle hast, die dich nerven oder sogar blockieren und behindern, dann ist das in vielen Fällen kein technisches Problem. Und selbst wenn es ein technisches Problem sein sollte (Atmung, Sprech- oder Singtechnik etc.) gibt es auch dafür eine Ursache. Aus meiner Sicht ist es immer sinnvoller, zuerst die Basis (unser Innenleben) zu stärken und dann die Technik oben drauf zu setzen. Denn die Technik setzt sich immer auf unsere Prägungen. - Emotionale Themen
Wenn du das Gefühl hast, ständig überhört zu werden, nicht zu den Menschen durchzudringen oder nicht ernst genommen zu werden. Dann kannst du aus meiner Erfahrung viel an deiner Stimme und deinem Auftreten arbeiten, das Grundproblem wird sich dadurch nicht lösen. Denn auch bei diesen Themen stecken meist unsere Prägungen und unsere Konditionierung dahinter und mischen kräftig mit, ohne dass es uns bewusst ist. Wenn du magst, hör dir dazu meine Podcast-Folge „Egal, wie laut ich schreie…“ an. Da erzähle ich sehr offen meine eigene Geschichte mit dem Nicht-gehört-werden. Die Folge findest du hier bei Spotify und hier bei Apple Podcasts. Meinen Podcast UNSTUCK YOURSELF findest du aber auch auf allen anderen gängigen Podcast-Plattformen. - Rückmeldungen von anderen Menschen
Das überschneidet sich ein bisschen mit dem vorigen Punkt. Aber hier geht es jetzt vor allem darum, wenn du immer wieder Rückmeldungen von außen zu deiner Stimme, deinem Auftreten, deiner Wirkung bekommst, die du entweder nicht einordnen, nicht nachvollziehen kannst oder die du verändern möchtest. Auch hier wirken meist unbewusste alte Prägungen und Konditionierungen, die von den Menschen im Außen gespiegelt werden. Sie helfen dir, zu erkennen, wo in dir etwas noch nicht gelöst ist. Diese Dinge werden nicht ausschließlich von der Stimme transportiert, aber dort lassen sie sich auch hören oder erspüren.
Das heißt, ein Stimm-Profliing bringt dir an erster Stelle Klarheit darüber, was die wahren Ursachen deiner Herausforderungen und Probleme sind. Und diese Klarheit ist Gold wert. Denn meine Überzeugung ist: wenn wir gleich an der Basis und am Ursprung arbeiten, kann sich alles oben drüber da entsprechend dran orientieren.
Die Arbeit an der Stimme findet aber meistens leider auf der Symptom-Ebene statt. Das kann natürlich kurzfristig einen Unterschied machen oder auch mal größere Verbesserungen mit sich bringen. Aber oft führt es nur dazu, dass wir uns noch mehr Kompensationsstrategien aneignen, die anstrengend sind und irgendwo ihre Grenzen haben. Denn unser System strebt immer nach Heilung und findet Wege, uns über die Symptome dorthin zu führen.
Willst du mehr über deine Stimme wissen?
Du hast mehrere Möglichkeiten, wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen willst:
Kostenfreier Workshop am 29. / 30. März
„Was deine Stimme über dich verrät – und welche Muster deinen Ausdruck blockieren“
In diesen 90 Minuten tauchen wir tief ein in die Welt der Stimme aus meiner Sicht. Wir schauen uns die 5 Muster, die ich hier schon beschrieben habe, genauer an und du hast die Möglichkeit für eine Live-Stimmanalyse. Außerdem machen wir eine kurze Übung, bei der du merkst, wie viel Unterschied das Innenleben im Klang der Stimme macht. Wenn du oben auf den Link klickst, kommst du auf die Info-Seite, du kannst dich aber auch HIER direkt anmelden.
Stimm-Körper-Präsenz-Check (ja, den Namen werd ich noch verändern)
Wenn du nicht so lange warten willst, kannst du dir hier dein ausführliches und individuelles Stimm-Profiling buchen. Du füllst einen Fragebogen aus und schickst mir eine ca. 5-minütige Aufnahme (gesungen oder gesprochen) und bekommst von mir ein Feedback. Ich sage dir, was ich im Allgemeinen in deiner Stimme wahrnehme, welche Themen dahinter stecken könnten, wie das mit deinem Anliegen in Bezug auf deine Stimme in Zusammenhang steht und welche Schritte du konkret gehen kannst, um da eine Veränderung zu erzielen. Du hast auch die Möglichkeit, eine Session zum Spezialpreis mit mir zu buchen, bei der wir dann gleich in deinen Veränderungsprozess einsteigen können.
Kostenfreies Kennenlern-Gespräch mit mir
Du willst nicht bis zum Workshop warten und aber auch nicht gleich was buchen? Dann hast du die Möglichkeit, dass wir uns 30 Minuten zusammensetzen. Da lernen wir uns kennen und wir schauen, ob und wie ich dich auf deinem Weg unterstützen kann. Keine Sorge, du begibst dich da nicht in eines dieser Höllen-Verkaufsgespräche, bei dem du danach das Gefühl hast, nicht mehr Herr oder Frau deines Lebens zu sein. Ich halte nichts von Manipulation, Druck und Wundenbohrerei.
Bei mir ist es ein Gespräch auf Augenhöhe und ich bin immer davon überzeugt, dass du sehr gut dazu in der Lage bist, für dich zu entscheiden, was du gerade brauchst und was nicht.
Ich freu mich, wenn wir uns auf die eine oder andere Art und Weise kennenlernen!

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