Unangenehme Situation. Wenn du grad auf der Bühne stehst und einen Vortrag hältst oder in der Vorstellrunde etwas über dich erzählst. Und plötzlich: deine Stimme bricht weg. Oder (für mich) noch schlimmer: Wenn mitten im Singen auf einmal nichts mehr geht. Zum Glück hatte ich das noch nie öffentlich.
Wenn das einmal vorkommt, ist es unangenehm. Aber wenn es häufiger vorkommt, wird es zum Problem. Vor allem, wenn du auf deine Stimme angewiesen bist. Die meisten Menschen, denen so etwas öfter passiert, geraten in einen Teufelskreis, denn natürlich versuchen sie, diese Situationen zu vermeiden. Die Festigkeit, die dadurch im Körper entsteht, verstärkt die Symptomatik aber oft noch.
In diesem Blogartikel nehme ich dich mit in die Ursachen und Hintergründe einer instabilen Stimme und erzähl dir auch, welche Schritte meiner Ansicht nach hilfreich sind, sodass du dich wieder voll und ganz auf deine Stimme verlassen kannst.
Stimme bricht weg: ursachen, Hintergründe, Lösungen
Es gibt körperliche, funktionelle und psychische Ursachen für Stimmverlust oder eine instabile Stimme.
Bei organischen Veränderungen ist meist eine Operation notwendig. Bei funktionellen Störungen empfehle ich eine Mischung aus körperlicher Therapie und Coaching für die emotionalen Hintergründe.
Für rein psychische Ursachen ist Coaching oder Therapie das Mittel der Wahl.
Die Hintergründe von Stimmthemen sind oft tiefliegend und reichen in unsere Kindheit oder sogar Vorgenerationen zurück. Themen, die mit Stimme in Verbindung stehen: sich zeigen, eigene Meinung oder Haltung äußern, für sich einstehen, eigene Bedürfnisse kommunizieren, stolz sein, Ausdruck von Gefühlen und Emotionen
Ursachen für Stimmverlust oder eine instabile Stimme
Aus meiner Sicht ist es hier erstmal sinnvoll, eine Unterscheidung zu machen zwischen körperlichen Ursachen und emotionalen oder psychischen Ursachen. Auch wenn es da natürlich Verbindungen und Wechselwirkungen gibt.
Körperliche Ursachen
Viele Krankheiten können auf die Stimme schlagen. Erkältungen, Bronchitis, Kehlkopf- oder Stimmbandentzündung oder auch Nebenhöhlenentzündungen oder Angina können sich auf die Stimmfunktion auswirken. Vor allem ein starker Husten führt oft zu einer Überlastung der Stimmlippen und darauf folgende Heiserkeit. Oft ist bei Entzündungen auch die Randstimmfunktion eingeschränkt, was zu einer brüchigen oder rauen Stimme führen kann.
Auch bestimmte andere Umstände können die Stimme so sehr reizen, dass sie Aussetzer hat. Dazu gehören: Alkohol, Rauch, sehr trockene Luft, Klimaanlage, Reflux, Allergien oder chemische Reize.
Während diese Zustände entweder nach wenigen Wochen wieder vergehen oder sich durch eine Veränderung der Umgebung oder der Ernährung lösen, gibt es auch sogenannte organische Veränderungen im Stimmapparat. Dazu zählen Stimmbandknötchen, Polypen, Zysten oder Tumore im Kehlkopfbereich. In diesen Fällen ist meist eine Operation notwendig.
Es gibt auch andere Krankheiten, die sich auf die Stimmfunktion auswirken können. Dazu zählen z.B. Parkinson oder Multiple Sklerose. Oft tritt auch nach Operationen eine mehrwöchige Heiserkeit oder Instabilität auf. Manche Ereignisse wie z.B. Schilddrüsen-OP, Schlaganfall oder die Entzündung von bestimmten Nerven können sogar zu einer Lähmung der Stimmlippen führen.
Außerdem können Verletzungen durch Prellungen, Würgen oder sonstige Einwirkungen auf den Kehlkopf zum Stimmverlust führen.
Funktionelle Störungen – ein Graubereich
Grundsätzlich werden funktionelle Stimmstörungen den körperlichen Ursachen zugeordnet. Denn meistens handelt es sich um Überlastungserscheinungen von Menschen, die ihre Stimme viel verwenden, aber nie gelernt haben, wie das auf eine gute Art und Weise passieren kann. Therapeut*innen sprechen hier dann von chronischer Fehlbelastung oder falscher Stimmtechnik.
Meistens wird hier Logopädie oder Atemtherapie verschrieben, weil zwar keine organischen Veränderungen sichtbar sind, aber Verspannungen im Atem- oder Stimmapparat erkannt oder vermutet werden.
Ich persönlich bezeichne die funktionellen Stimmstörungen deshalb als Graubereich, weil ich glaube, dass sie oft tieferliegende Ursachen haben. Und weil ich glaube, dass eine zweigleisige Herangehensweise sinnvoll wäre – von körperliche und von emotionaler oder psychischer Seite.
Denn Kinder kommen mit einer perfekten Stimmfunktion auf die Welt. Sie schreien, plappern und quietschen den ganzen Tag – in den allermeisten Fällen, ohne heiser zu werden. D.h. wir alle hatten grundsätzlich mal eine sehr belastbare Stimme. Und dann passiert Konditionierung und Prägung und wir beginnen, unser Verhalten an unsere Umwelt anzupassen. Und damit auch unsere Haltung, unsere Atmung, unsere Stimmgebung, unseren Ausdruck.
Natürlich können wir jetzt körperlich und technisch an Atmung und Stimme arbeiten. Und da verbessert sich viel – das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Und doch setzt sich diese Arbeit immer auf die Prägung und Konditionierung drauf. Meiner Ansicht nach könnte die Wirkung um ein vielfaches verstärkt werden, wenn wir uns gleichzeitig um die tieferliegenden Themen kümmern.
Psychische und situative Auslöser
Die Psyche hat natürlich einen riesigen Einfluss auf unsere Stimmfunktion. Alle, bei denen schon mal die Stimme zittrig wurde oder der Atem stockte vor Aufregung, können das sehr gut nachvollziehen. Wenn diese Aufregung oder Nervosität sehr stark wird (falls du betroffen bist, schau dir gern meinen Blogartikel „Was tun gegen Lampenfieber?“ an!) kann das dazu führen, dass die Stimme plötzlich weg bricht. Starke Ängste jeglicher Art, Schock oder auch Konfliktsituationen können ähnliche Auswirkungen haben.
Auch Phasen mit einer sehr hohen emotionalen Belastung (starke Wut, Trauer, innerer Druck etc.) reagieren oft mit Stimmverlust auf diese Zustände. Psychogene Stimmstörung oder dissoziative Aphonie werden diese Zustände dann genannt. Bei einer ärztlichen Untersuchung können keinerlei organische Veränderungen festgestellt werden, aber die Betroffenen können tatsächlich oft nur noch flüstern.
Die Stimme bricht weg: mögliche Hintergründe
Gleich erstmal zur Sicherheit: ich zähle nicht zu den Menschen, die glauben, dass alle körperlichen Themen eigentlich nur auf der emotionalen oder psychischen Ebene gelöst werden müssen. Doch meine Erfahrung mit mir selbst und mit vielen meiner Klient*innen zeigt, dass es absolut hilfreich sein kann, diese Ebene mit einzubeziehen. So mach ich das grade mit meinen Rückenschmerzen übrigens auch. Ich mach Übungen und Krafttraining, hab Physiotherapie UND ich erforsche mögliche emotionale und psychische Hintergründe. Das ergänzt sich ganz wunderbar!
Gerade Stimme und Hals ist ein Bereich unseres Körpers, der extrem vielen Einflüssen ausgesetzt ist. Die meisten von uns haben irgendwann mal (vorwiegend in der Kindheit) gehört, dass sie doch bitte nicht so laut sein sollen. Sätze wie „Das sagt man nicht!“ oder „Jetzt halt doch mal die Klappe!“ waren an der Tagesordnung. Diese Dinge sitzen irgendwo in unserem Körpergedächtnis. Und wenn die Situationen und Umstände sich entsprechend verzahnen, dann kann es sein, dass genau dort ein Schlüsselmoment für die stimmlichen Herausforderungen zu finden sind.
Das geht aber natürlich noch in viele andere Richtungen. Viele Menschen haben gelernt, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, um nicht egoistisch zu sein. Den meisten von uns wurde erzählt, dass „man sich nicht hervortut“. Vielleicht sind wir auch in Familien aufgewachsen, in denen Dinge totgeschwiegen, Konflikte vermieden und eitel Wonne vorgespielt wurde. All das hat Auswirkungen auf unsere Stimme. Vor allem, wenn wir uns beruflich dazu entscheiden, unsere Stimme einzusetzen, zu erheben und mit ihr zu wirken. Denn dann müssen wir für uns einstehen, Haltung zeigen, Konflikte riskieren, weil wir eine klare Meinung äußern und auch über unsere Erfolge sprechen.
Hintergründe, die vor deiner Zeit liegen
Gerade bei diesen Themen rund um Stimme, Wirkung, Ausdruck sitzen noch ganz schön viele transgenerationale Muster mit im Boot. Wenn Emotionen verboten waren, man die eigene Meinung nicht aussprechen durfte oder Anpassung und Zurückhaltung das Überleben gesichert haben, dann kann es sein, dass das noch heute in unseren Zellen sitzt. Sogar körperliche Spannungszustände können sich über Generationen weitervererben. Weil dieses Feld so riesig ist, dass ich darüber 5 verschiedene Blogartikel schreiben könnte, verweise ich hier jetzt auf meinen Podcast. Denn da habe ich zwei Folgen aufgenommen rund um die Themen Stimme, Kehlkopf, Kiefer, Nacken, Hals.
- Achtung, bissig! – Die versteckten Ursachen von Kieferproblemen – Hier bei Spotify und hier bei Apple Podcasts
- Von Stiernacken und Fröschen im Hals – die verborgenen Hintergründe von Blockaden im Halsbereich – Hier bei Spotify und hier bei Apple Podcasts
Die Stimme bricht weg: das kannst du tun
- Wenn du das häufiger hast und vielleicht sogar über längere Zeiträume: lass es auf jeden Fall ärztlich abklären.
- Setze deine Problematik in einen größeren Zusammenhang. Welche Belastungen hast du gerade? Was beschäftigt dich? In welchen Situationen tritt das Problem konkret auf? Und eine der spannendsten Fragen: Was kannst du aufgrund dieses Problems gerade nicht tun?
Wenn du Lust hast, dich da noch tiefer damit zu befassen, dann lies dir gern diesen Blogartikel durch: „5 Fragen, die du dir stellen solltest, wenn du Stimmprobleme hast“ - Hol dir Unterstützung. Wie ich oben schon geschrieben habe, bin ich davon überzeugt, dass es am zielführendsten ist, wenn du sowohl körperlich als auch emotional oder psychisch an deinem Thema arbeitest. Beides funktioniert aus meiner Sicht wunderbar auch online, d.h. du kannst wirklich schauen, dass du Menschen findest, bei denen du dich gut aufgehoben fühlst, auch wenn es bei dir in der Gegend nicht so viel Angebot gibt.
- Geh mit deinem Körper in Kontakt und vertrau auf seine Weisheit. Meine Erfahrung ist, dass die meisten Menschen wissen, wo eigentlich das Thema ist und sich selbst nicht genügend vertrauen, um dieses Wissen auch ernst zu nehmen.
Wenn du magst, können wir uns auch zu einem kostenfreien Kennenlernen treffen. Das Gespräch ist online und wenn ich ein bisschen was über dich erfahre, kann ich deine Situation besser einschätzen. Wir können dann schauen, ob ich dir weiterhelfen kann oder ob ich dir Kolleg*innen oder Fachmenschen aus meinem Netzwerk empfehlen kann.

0 Kommentare