Unser Körper kommuniziert mit uns – immer!! 
Ich bin auch davon überzeugt, dass unser Körper immer FÜR uns ist und nie GEGEN uns, auch wenn sich das manchmal anders anfühlt. 
Vor jeder Krankheit, Erschöpfung oder unerklärlichen Symptomatik gibt es Warnsignale. Diese sind oft leise und so gelagert, dass wir sie nicht als solche wahrnehmen oder interpretieren. 
Umso wichtiger ist es, im eigenen Körper wirklich zu Hause zu sein, seine Sprache zu lernen und eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu entwickeln. 

In meiner Ausbildung in Craniosacraler Körperarbeit habe ich gelernt, Körpersignale zu deuten bzw. mit den Menschen gemeinsam zu erforschen, wie ihr Körper ihnen versucht, Hinweise zu geben und Dinge mitzuteilen. Heute ist diese Herangehensweise und das Wissen, das ich mir im Laufe der Zeit aufgebaut habe, ein unersetzlicher Bestandteil meiner Arbeit – tatsächlich nämlich auch, wenn es gar nicht nur um spezielle Körpersignale geht. Dazu aber ein andermal mehr. 

In diesem Artikel stelle ich verschiedene Methoden und Herangehensweisen vor, die dich dabei unterstützen, die eigenen Körpersignale zu deuten. 
Ich werde anhand von Beispielen veranschaulichen, wie eine Beschäftigung mit dieser Sprache des Körpers aussehen kann und welche Überraschungen darin oft verborgen sind. 
Am Ende erfährst du dann auch noch, was das alles mit meinem Kernthema Selbst-Bewusst-Sein zu tun hat. 

An dieser Stelle bedanke ich mich bei Silke Geissen für die Inspiration zu diesem Artikel – vor allem für diesen wunderbaren Titel. 

Körpersignale deuten mit System

Wer sich schon einmal mit Körpersignalen beschäftigt hat, der ist unweigerlich mit Psychosomatik in Berührung gekommen. Es gibt verschiedene Standpunkte und für viele ist es ein riesengroßer Streitpunkt, ob man denn nun wirklich bei jedem Symptom von einem psychisch-seelischen Hintergrund ausgehen kann oder ob es einfach nur “stinknormale” Krankheiten gibt. 

Ich persönlich habe diesbezüglich – wie fast immer – einen differenzierten Standpunkt. Ich glaube, dass grundsätzlich jede Krankheit irgendwo ihren Auslöser hat. Durch meine Ausbildung zur Epigenetik Coach weiß ich aber, dass das in den Genen, den Epigenen, der Ernährung, der Lebensweise oder aber eben in seelischen Herausforderungen liegen kann. 

Den allermeisten Menschen macht es Angst, wenn sie etwas spüren, was sie nicht sofort verstehen und einordnen können. Es gibt zwei typische Reaktionen darauf: 

  • Symptome bekämpfen, sodass sie möglichst schnell verschwinden (mit Schmerzmitteln oder sonstigen Medikamenten / Interventionen)
  • versuchen, die Symptome zu verstehen und die Ursache zu ergründen

Weil der Körper seine eigene Sprache spricht und eben nicht immer sofort klar ist, was er uns mitteilen will, gibt es einige Menschen, die sich sehr ausführlich mit den seelischen / emotionalen Hintergründen von Krankheiten beschäftigt haben. 

Buchempfehlungen für den Anfang

In diesen drei Büchern zum Beispiel kann man das Symptom nachschlagen und bekommt Impulse zu den möglichen dahinterliegenden Themen. 

Körpersignale deuten: Buchtipp zum Einstieg
Mein Körper - Barometer der Seele von Jaques Martel
Jaques Martel – Mein Körper – Barometer der Seele
Körpersignale deuten - Buchtipp zum Einstieg
Louise Hay - Heile deinen Körper
Louise Hay – Heile deinen Körper
Körpersignale deuten - Buchtipp zum Einstieg
Ruediger Dahlke - Sprache der Seele
Ruediger Dahlke – Krankheit als Sprache der Seele

Am Anfang meiner Reise hin zu Körperbewusstsein und Partnerschaft mit meinem eigenen Körper fand ich diese Bücher sehr inspirierend und hilfreich. Sie halfen mir, aus der völligen Ratlosigkeit auszusteigen und zumindest eine Idee zu haben, die ich verfolgen konnte. Es gab mir ein wenig Sicherheit, dass ich zumindest meistens den Ansatz einer Erklärung für meine Symptome fand. 

Wenn ich heute in diese Bücher schaue, dann bin ich meist enttäuscht. Die Beschreibungen sind mir zu oberflächlich und zu oft habe ich erlebt, dass sie schlichtweg für mich nicht mehr stimmten. 
Ob sich meine Wahrnehmung verändert hat oder mein Körper begonnen hat, auf eine komplexere Art und Weise mit mir zu kommunizieren – ich kann es nicht sagen. 

Wer relativ neu in diesem Feld ist und gerade erst beginnt, sich mit den eigenen Körpersignalen auseinanderzusetzen und diese zu deuten, ist vermutlich mit diesen Büchern sehr gut bedient, weil sie erstmal den Horizont erweitern, neue Impulse geben und man generell ein Gefühl dafür bekommt, wie der Körper versucht, sich zu verständigen. 
Manchmal schau ich heute noch gerne rein, weil ich schon beim Lesen das Gefühl bekomme, ob es sich lohnt, diese Idee weiterzuverfolgen oder ob ich lieber an einer anderen Stelle weiterforsche. 

Focusing – Körpersignale deuten für Anfänger:innen und Fortgeschrittene

Hast du schon einmal beobachtet, dass du jemandem eine Geschichte erzählen oder deinen Standpunkt in einer bestimmten Situation erklären möchtest und dieser Mensch vervollständigt laufend deine Sätze und weiß schon vorher, was du sagen willst?
Wahrscheinlich sind die Vervollständigungen nicht alle richtig und im Laufe der Zeit bekommst du das Gefühl, dass du eigentlich auch aufhören könntest zu reden, weil deine Version der Geschichte dein Gegenüber sowieso nicht interessiert. 

Diese Art des Zuhörens ist weit verbreitet und hat mit echtem Zuhören absolut nichts zu tun. 

Beim echten Zuhören geht es nämlich darum, den Mund zu halten und wertfrei und offen da zu sein, vielleicht einmal eine Verständnisfrage zu stellen und dann der erzählenden Person wieder den Raum zu geben. Genau das tun wir im Focusing mit unserem Körper. (Die oben beschriebene Art des Zuhörens ist in unserem Alltag hingegen sehr verbreitet – auch gegenüber uns selbst und unserem Körper.)

Ich weiß noch, wie wir in der Cranio-Ausbildung diese Technik kennengelernt haben und ich mir sofort im Anschluss das Buch dazu gekauft habe. Seitdem habe ich selbst unzählige Gespräche dieser Art mit meinem Körper geführt und habe in Sessions meine Klient:innen dabei begleitet, Kontakt zu ihrem Körper und seinen Botschaften herzustellen. 

Das Besondere am Focusing ist, dass es (mit etwas Übung) wunderbar mit dir alleine funktioniert. 

Focusing – eine kurze Anleitung

Wenn du magst, kannst du es gleich einmal ausprobieren:

➡️ Zu Beginn schaust du, was in deinem Körper gerade Aufmerksamkeit braucht. Das muss nicht unbedingt ein Symptom sein. Es kann dir tatsächlich auch einfach gut gehen. 
Du spürst in deinen Körper hinein und stellst deine Einstiegsfrage. Zum Beispiel:
“Was braucht gerade meine Aufmerksamkeit?”
Oder, wenn du in deinem Leben gerade mit einem bestimmten Thema beschäftigt bist und gerne die “Meinung” deines Körpers dazu haben möchtest:
“Wie steht es gerade mit diesem Thema in mir?”

➡️ Was auch immer sich zeigt – auch wenn es gar nichts ist – lass es da sein und begrüße, was da ist. Wenn das für dich sehr ungewohnt ist, kann es sein, dass du bei den ersten paar Versuchen gar nichts spürst. Das bedeutet nicht, dass es für dich nicht funktioniert. 

➡️ Wenn du etwas fühlst oder spürst, dann versuche, passende beschreibende Worte dafür zu finden. Anschließend überprüfst du in deinem Körper, ob deine Beschreibung passt. Fühlt es sich richtig an, das Gefühl / die Wahrnehmung so zu benennen oder braucht es doch eine andere Beschreibung?

➡️ Nachdem du die passende Beschreibung gefunden hast, leistest du diesem Etwas einfach Gesellschaft. Neugierig, interessiert, aber völlig wertfrei. 

➡️ Jetzt ist es an der Zeit, die Perspektive zu wechseln. Wie fühlt sich dieses Etwas von seinem Standpunkt aus?

➡️ Dann gehst du in den Dialog und fragst: “Was macht dich so … (Gefühl oder Beschreibung, die du vorhin gefunden hast)?“ Egal, ob die Antwort für dich Sinn ergibt oder nicht: nimm sie interessiert und wertfrei auf und frage vielleicht nochmal nach, was die Antwort bedeutet. 

➡️ Danach fragst du das Gefühl / das Symptom was es braucht.  Auch hier: vielleicht kannst du mit der Antwort direkt etwas anfangen, vielleicht nicht. Bleib neugierig und interessiert. 

➡️ Jetzt kommt ein schöner Teil im Gespräch mit deinem Körper: Du bittest ihn, dir zu zeigen, wie es sich anfühlen würde, wenn alles gelöst wäre. Lass dich drauf ein, ganz egal, was dein Körper dir grade zeigt.

➡️ Bald ist es Zeit, aufzuhören, aber erst, wenn du überprüft hast, ob es schon ok ist. Vielleicht hat dein Körper dir noch etwas mitzuteilen, vielleicht verlangt noch etwas anderes nach deiner Aufmerksamkeit.

➡️ Versprich auf jeden Fall, dass du wiederkommst.  Mach das auf jeden Fall auch, wenn du keine Zeit mehr hast und spürst, dass dein Körper dir noch etwas sagen möchte. Schau, wann du das nächste Mal Zeit hast und mach dir wirklich verbindlich ein Date aus. 

➡️ Zum Schluss bedankst du dich bei deinem Körper und allen Teilen, die an diesem Treffen jetzt beteiligt waren. 

➡️ Eventuell machst du dir noch ein paar Notizen, dass du nicht vergisst, was dein Körper dir alles mitgeteilt hat (vor allem, wenn du es nicht verstehen oder einordnen konntest, kann es hilfreich sein, wenn du dir etwas aufschreibst). 

Buchtipp für alle, die tiefer einsteigen wollen

Das war jetzt die Kurzfassung des Focusing, ich kann dir aber sehr empfehlen, dir dieses kleine Büchlein zu besorgen. Es enthält noch viel mehr wertvolle Tipps zur Grundhaltung und was du tun kannst, wenn etwas nicht so läuft, wie du es dir vorstellst. 

Körpersignale deuten - Buchtipp für Fortgeschrittene
Focusing - Der Stimme des Körpers folgen von Ann Weiser Cornell
Meine absolute Buchempfehlung
Körpersignale deuten - Buchtipp für Fortgeschrittene
Focusing - Der Stimme des Körpers folgen von Ann Weiser Cornell
für dich alleine und wenn du Menschen begleitest

Solltest du auch nach mehreren Versuchen noch Schwierigkeiten mit dieser Übung haben, dann meld dich sehr gerne bei mir. Oft ist es wesentlich leichter, sich auf so etwas einzulassen, wenn es jemanden von außen gibt, die dich anleitet oder dir auch die Unsicherheit nimmt, die zwischendurch aufkommt, wenn du nicht weißt, ob du wirklich etwas spürst oder nicht. 

Gespräch mit dem Symptom – eine Technik aus der Craniosacralen Körperarbeit

Im Grunde genommen funktioniert das Gespräch mit dem Symptom ähnlich wie die vorhergehende Übung. Hier habe ich allerdings die Erfahrung gemacht, dass es einfacher ist, es zu zweit durchzuführen und wenn es tatsächlich Teil einer Cranio-Sitzung ist. 
Denn unser Hirn ist meistens wahnsinnig präsent und bewertet und zensiert Gedanken und Gefühle oft, bevor wir in der Lage sind, sie auszusprechen. Cranio hat unter anderem zum Ziel, dich in deinen Körper und in deine Empfindung zu bringen und dein Denken runterzufahren, auf dass du leichter auf die Botschaften deines Körpers zugreifen kannst. 

Die Fragen unterscheiden sich ein wenig von den Focusing-Fragen und es entsteht tatsächlich viel mehr noch ein Gespräch. Außerdem wird noch viel gezielter auf eine Lösung hingearbeitet

Nachdem klar ist, was das Symptom ist, wozu es da ist und wie lang es schon da ist, gehen wir gemeinsam in Verhandlung und schauen, was es braucht, dass das Symptom verschwinden oder eine andere Aufgabe im Körper übernehmen kann
Zu Beginn ist es meist schwer, sich darauf einzulassen, weil eben das Hirn ständig wertet und sich fragt, ob das nicht alles ein riesengroßer Blödsinn ist. Aber ich habe tatsächlich schon sehr aufschlussreiche Sitzungen gehabt. 

M. zum Beispiel hatte wahnsinnige Rückenschmerzen, die trotz Spritzen und Ausruhen nicht verschwinden wollten. Wir stellten Kontakt her zum Symptom und es war recht schnell klar, dass es ein Warnsignal war. Es war schon uralt und ganz lange in der Familie vorhanden und sollte sie warnen, dass die Selbstständigkeit, zu der sie sich entschieden hatte, gefährlich sei. Es gab schon einige Beispiele in der Familie, wo Selbstständigkeit nicht funktioniert oder zu großem Leidensdruck geführt hatte. Die Verhandlung mit dem Symptom war ein längerer Prozess, weil da noch ganz viele Glaubenssätze und vererbte Erfahrungen mit im Spiel waren. Doch schließlich fand sich ein Weg, die Spannungen im Rücken ließen langsam nach und M. fühlte sich freier und wieder mehr als sie selbst. 

Symptome entstehen nicht unbedingt immer in unserem Körper, sie können auch Familienerbstücke sein. Dazu mehr im nächsten Abschnitt. 

Craniosacrale Körperarbeit als wunderbare Möglichkeit, die eigenen Körpersignale zu deuten
Zu sehen hier: Generose Sehr, die gerade eine andere Frau begleitet
Craniosacrale Körperarbeit – Foto von Johann Perger

Von Körpersignalen zu emotionalen Prozessen und vererbten Symptomen

Ist uns die Psychosomatik nicht so vertraut, dann gehen wir meistens davon aus, dass ein körperliches Symptom auch körperliche Ursachen hat. Immer wieder stelle ich fest, dass es (auch mit viel Offenheit für Psychosomatik) tatsächlich so ist. Aber eben nicht jedes Mal. Oft ist es weit komplexer, weshalb ich mir selbst für genau diese Themen gerne Unterstützung von außen hole. Denn im eigenen Sumpf steckend verliert man doch gerne mal den Überblick.

Körper und Psyche stehen in sehr engem Zusammenhang

Sehr oft nutzt der Körper seine Sprache (Unwohlsein, Schmerzen, unerklärliche Symptome, Bewegungseinschränkungen), um auf ein emotionales Ungleichgewicht oder ein anstehendes Thema hinzuweisen. 

G. zum Beispiel hatte eine schwere Rippenfellentzündung und schleppte sich durch die letzten Wochen. Sie hatte zwar den ein oder anderen Termin abgesagt, auch mal eine Woche Pause eingelegt, aber so richtig beruhigen wollte sich der Körper nicht. In einer Session versuchten wir herauszufinden, was es brauchte, dass der Körper sein Symptom aufgeben würde. Es stellte sich heraus, dass es schon länger darum ging, mehr zu den eigenen Bedürfnissen zu stehen, diese zu spüren und auch zu kommunizieren. 
Einige Versuche in diese Richtung hatten schon stattgefunden, aber die starke Prägung in Richtung “Zuerst die anderen, dann ich” machte es schwer, die wirklich notwendigen Entscheidungen zu treffen und entsprechende Schritte auch umzusetzen. 
Nach der Session war klar: die Symptomatik würde erst aufhören, wenn hier bedingungslose Selbstfürsorge auf dem Plan stand. Schon nach der Session hatten sich der Brustkorb geöffnet, das Atmen war schmerzfrei möglich und eine kleine Erleichterung war eingetreten. 
Es war zwar erleichternd, aber es wurde auch klar, dass dieser emotionale Prozess noch einige Wochen, Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen würde. 

Was weiß mein Körper, was ich noch nicht weiß?

Ein weiteres spannendes Feld sind die vererbten Symptome. Hier gibt es zwei verschiedene Möglichkeiten. 
Entweder sind es wirklich Symptome und Körperempfindungen, die sich schon seit Jahren durch die Familie bewegen, oder es sind Symptome, die plötzlich auftreten und auf eine in der Familie vergrabene Geschichte hinweisen

Sich um das eigene Innenleben zu kümmern, ist noch nicht so lange in unserer Gesellschaft möglich – selbstverständlich ist es leider auch heute noch nicht. Doch insbesondere unsere Vorgenerationen waren noch mit komplett anderen Dingen beschäftigt. Vielfach ging es ums Überleben oder nach dem Krieg um den WiederaufbauZeiten, in denen das Innenleben eher ruhig gestellt wurde, um möglichst weiter funktionieren zu können. Doch Emotionen und Bedürfnisse lassen sich nicht auf Dauer ruhig stellen und so entwickelt der Körper oft Symptome, um darauf hinzuweisen. 
Werden sie in der einen Generation nicht gehört (und die Verhaltensmuster meist auch auf die folgende Generation weitergegeben), kann es sein, dass sie sich auch in der nächsten oder übernächsten Generation bemerkbar machen. 

Richtig spannend wird es, wenn Symptome plötzlich auftreten, keine erkennbare Ursache haben, nirgends in der Familie sind, keine emotionalen direkten Hintergründe zu erkennen sind und sie doch so präsent sind, dass man sie nicht ignorieren kann. 
Hier wirds für viele Menschen ein bisschen unwirklich und spooky. Ich war am Anfang auch wahnsinnig skeptisch, bis ich ein richtig krasses Erlebnis hatte. 

Es war während meiner Cranio-Ausbildung. Mitten in einem Ausbildungswochenende hatte ich plötzlich Schmerzen im Rippenbogen auf der rechten Seite vorne. 
Zuerst dachte ich, dass ich in der Nacht irgendwie blöd gelegen sei oder eine falsche Bewegung gemacht hatte. Bewegung und Entspannung halfen mir aber gar nicht. Immer wieder zogen die Schmerzen meine Aufmerksamkeit auf die Stelle und beim Tasten stellte ich irgendwann fest, dass die rechte Seite wie eingedellt war. Während der linke Rippenbogen seine normale Krümmung nach außen hatte, war in der rechten Seite eine Art Knick nach innen zu spüren. 
Sehr seltsam, denn dafür gab es nun wirklich keine Ursache. Es war das erste Mal, dass ich mit der Idee eines vererbten Symptoms in Berührung kam und zunächst wehrte ich mich dagegen. Dann ließ ich mich aber darauf ein und versuchte zu erspüren, welches Gefühl, welche Energie, welche Geschichte in diesem Symptom stecken könnte. 
Es war ein längerer Prozess, doch schließlich fühlte sich eine Geschichte schlüssig an. Bis heute hab ich keine Ahnung, ob diese Geschichte wahr ist oder nicht. Ich spürte, dass in dieser Stelle Gewalt steckte, ein Schlag oder Tritt von außen, Verzweiflung, Überlebenskampf und dass es nie Raum gegeben hatte, um diesem Gefühl, dieser Geschichte Aufmerksamkeit zu schenken. 

Die Theorie: meine Oma väterlicherseits war mit einigen ihrer Kinder alleine auf der Flucht und wurde in irgendeiner Form angegriffen. Sie bekam einen Schlag oder Tritt in den rechten Rippenbogen, eventuell war sie zu diesem Zeitpunkt sogar schwanger. Es gab keine medizinische Versorgung und auch keine Zeit, sich auszuruhen. Die Flucht musste unter Schmerzen fortgesetzt werden. 
Wie gesagt, ich habe bis heute keine Ahnung, ob diese Geschichte stimmt, aber nachdem ich sie “erfunden”, gewürdigt und klar meiner Oma zugeordnet hatte, normalisierte sich mein Rippenbogen innerhalb von kürzester Zeit. Der Knick nach innen und auch die Schmerzen verschwanden. 

Ähnliches habe ich inzwischen mehrfach mit Klient:innen erlebt. Ich bin davon überzeugt, dass unser Körper Wissen (auch von unseren vorherigen Generationen) in sich trägt, das wir nicht mal erahnen können. 
Ich versteh aber auch sehr gut, wenn du dieser Art von Geschichten sehr skeptisch gegenüber stehst. 

Craniosacrale Körperarbeit funktioniert auch im Sitzen. Der Körper erzählt immer seine Geschichte und so können Körpersignale gedeutet werden. Hier zu sehen: Generose Sehr begleitet einen Mann (hält seinen rechten Arm).
Cranio funktioniert auch im Sitzen – es geht eigentlich immer darum, den Körper dabei zu begleiten, seine eigene Geschichte zu erzählen – Foto von Johann Perger

Was haben Körpersignale mit echtem Selbstbewusstsein zu tun?

Wir alle haben tiefes inneres Wissen über uns selbst und den für uns richtigen Weg. Je mehr wir in Verbindung mit uns selbst sind, umso mehr haben wir Zugriff auf dieses Wissen. 
Es ist nichts, was wir mit unserem Verstand erklären können, am ehesten kann man wohl sagen, dass es etwas mit Intuition zu tun hat. Dieses Gefühl für uns selbst, für das, was gerade richtig und wichtig für uns ist, bilden wir aus, wenn wir uns unserer selbst bewusst sind. Handeln wir nach diesem Gefühl und spüren, dass es richtig für uns ist, stärken wir wiederum unser Selbstbewusstsein damit, weil wir merken, dass wir uns selbst vertrauen können. 

Es ist also egal, an welcher Ecke du ansetzen willst. 
Hast du bereits ein gutes Körpergefühl und einen Zugang zu dir selbst, dann vertraue dem, nutze deine Fähigkeiten, intensiviere den Kontakt zu deinem Körper, lerne seine Sprache noch besser zu verstehen und stärke damit dein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein
Fällt es dir noch schwer, deine Körpersignale zu deuten, dann beginne damit, dass du eine Verbindung zu dir selbst aufbaust, dich und dein Innenleben immer besser kennenlernst und damit selbst-bewusster und selbstbewusster wirst. 

Wenn du mehr zum Thema Selbst-Bewusst-Sein erfahren willst, dann findest du hier meinen Blogartikel “Was ist Selbstbewusstsein”. Er enthält außerdem zwei kostenfreie Ansätze, wie du zu mehr Selbstbewusstsein in deinem Leben finden kannst. 


Erzähl doch mal: Wie geht es dir mit deinen Körpersignalen? Kannst du sie schon deuten oder fällt es dir schwer, die Sprache deines Körpers zu verstehen? Hinterlass mir gern einen Kommentar oder wenn dir das Thema zu persönlich ist, schreib mir einfach eine Nachricht an befreit@generose-sehr.com.

Generose Sehr

Sängerin und Spezialistin für den emotionalen Deep Shit

Ich brenne dafür, Menschen dabei zu unterstützen ihren ureigenen Weg zu finden und echtes Selbst-Bewusst-Sein zu entwickeln – abseits von Gesellschaftsmustern, familiären Prägungen und „das macht man halt so“. Mein Herz schlägt für Visionär*innen und Menschen, die das Gefühl haben, in unserer Gesellschaft fehl am Platz zu sein.
Ich selbst bin Entwicklungsjunkie und süchtig nach neuem Wissen und neuen Erfahrungen. Das hat dazu geführt, dass ich nach meinem Studium in Gesangspädagogik noch eine Ausbildung in Craniosaraler Körperarbeit und den Epigenetik Coach angehängt habe und da stehen noch ein paar mehr Dinge auf meiner Liste.
Ich schreibe hier über transgenerationale Vererbung, frühkindliche und pränatale Prägungen und wie sich das auf unser Leben auswirkt. Außerdem erzähle ich gerne meine eigenen Geschichten (oder die meiner Klient*innen), um zu zeigen, wie wir den alltäglichen Herausforderungen des Lebens begegnen können.

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